18 | 08 | 2019

Tradition und Gegenwart

seit mehr als anderthalb Jahrhunderten

Wenn unsere Vaterstadt im Jahr 1998 auf eine mehr als 150jährige Turnbewegung zurückblickt, so kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass die „Sechziger“ - wie man sie im Volksmund nennt - von Anfang an dabei waren. Denn folgt man den Überlieferungen, so gehen die Wurzeln des heutigen Turn- und Sportvereins, der heuer mehr als 1000 Mitglieder zählt, bis in die erste Hälfte der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück.

Georg Reuling

Unmittelbarer Vorläufer war der vorwiegend berufsständig orientierte Verbund „Hanauer Tabakarbeiterverein“ - gegründet um 1840 - der in jenen Jahren der Blüte dieses Manufakturzweiges in unserer Region über eine sehr beachtliche Mitgliederzahl verfügte. Im historischen Jahr 1848 dürften wohl sämtliche der organisierten Tabakarbeiter jenem unter der Befehligung von Turnerführer August Schärttner stehenden, mehrere hundert stark bewaffneten Freicorps zugehörig gewesen sein, das militant im nordbadischen Wag häuselpreußischen und österreichischen Truppenverbänden gegenüberstand. Der Aufstand wurde 1849 blutig niedergeschlagen, viele der Hanauer Turner gefangen genommen, deportiert und in Internierungslager gebracht. In einem Brief vom 24.August 1910 bestätigt Georg Reuling - er gehörte im Jahre 1860 zu den Mitgründern des Hanauer Turnvereins - dass der Hanauer Tabakarbeiterverein bis 1850 bestand und im Gasthof „Zur Weißen Taube“ sein Versammlungslokal hatte. Durch falsche Anschuldigung denunziert, wurden mehrere Mitglieder der Zigarrenarbeiter von den seinerzeit in Hanau liegenden Regimentstruppen, den so genannten „Strafbayern“, verhaftet und in Kassel vor ein Kriegsgericht gestellt, wo sich hernach ihre Unschuld herausstellte. Diese Maßnahme allerdings wirkte sich so einschneidend aus, dass es zur Auflösung des Tabakarbeitervereins kam.

Matthias Daßbach
 

Unter selbiger Fahne, rund ein Jahrzehnt später, wurde im Jahr des 1. Deutschen Turnfestes in Coburg 1860 ein „Turnverein der Cigarrenarbeiter Hanau“ aus der Taufe gehoben. Dessen Mitbegründer war u.a. auch Matthias Daßbach, dem innerhalb der Hanauer Arbeiterbewegung eine ebenso tragende Rolle zukommen sollte. Der Chronist Wilhelm Ziegler (1809-1878) schreibt in seinen von 1825 bis 1877 geführten Tagebuchaufzeichnungen: „Freitag, 9.November 1860: an Robert Blums Todestag - sozialdemokratischer Politiker - bildet sich hier ein Cigarrenarbeiter-Turnverein." „Montag, 2. April 1861: Auch sind die hiesigen Cigarrenarbeiter zu einer Turngesellschaft zusammengetreten, ihr Vereinslokal ist der Biergarten «Zur weißen Taube» - als Turnplatz wurde ein Acker an der Gelnhäuser Straße angelegt, bei einer Jahrespacht von 150 Talern.“ Die 60er-Turner beginnen sich ebenso auf den Verbandsebenen der damaligen Zeit zu organisieren. Sie treten dem „Deutschen Turnerbund“ und dem „Mittelrhein-Kreis“ bei. Den Betrieb der Leibesübungen übernimmt mit Philipp Störger, ein in der Stadt am Main arrivierter Turnlehrer. Es entwickelt sich ein reges Vereinsleben, das mit der ersten sportlichen Großveranstaltung dem 8. Mittelrheinischen Kreisturnfest 1868 in Hanau einen bemerkenswerten Höhepunkt erfährt. 1869 dann erfolgte der Beitritt zum lokalen Maingau-Verband. In den 70er Jahren des vorvorigen Jahrhunderts formierten sich dann die Turner-Sänger (1873), umbenannt wurde der Verein in „Turnverein Hanau“ (1878) und ein vereinseigenes Grundstück als Turnplatz für 1200 Goldmark gekauft (1879).

Innere Zwistigkeiten führten im Jahr 1881 dazu, dass es zur Spaltung des rund 20 Jahre zuvor etablierten Vereins kam. Die Konsequenz war, dass sich neben dem Turnverein 1860 eine Turngesellschaft 1881 in Hanau ansiedelte. So wird über jene Zeit berichtet: Die Vereine marschierten getrennt und litten miteinander, denn eines hatten sie gemeinsam, sie waren - nachdem der einige Jahre zuvor erworbene Turnplatz verloren ging - beide ohne Obdach, ihren Übungsbetrieb und die Versammlungen in eigener Unterkunft abhalten zu können. 1891 dann wieder für die Hanauer Turner ein großes Jahr mit der Durchführung des 19. Mittelrheinischen Kreisturnfestes. In den 90er Jahren kam es Stück für Stück zu Gründungen von Ballspielabteilungen und damit der Ausweitung des sportlichen Tuns in beiden Turnvereinen. 1905 war der Turnverein als erster dran, wo eine Fußballabteilung entstand. 1906 - im Jahr des 28. Mittelrheinkreis-Turnfestes wiederum in Hanau - führte man beim TV 1860 das Frauenturnen ein.

Das olympische Jahr 1912 stand im Zeichen der Gründung der Vereinsgemeinschaft Hanauer Turnerschaft (TG 1837, TFC 1869, TV 1860 Kesselstadt, TV 1860 und TGS 1881 Hanau). Der TV 1860 er warb einen neuen Turnübungsplatz, und die mittlerweile auch gegründete Fußballabteilung der 81er-Turngesellschaft trat dem Süddeutschen Fußballverband (da selbst 1897 in Karlsruhe unter Beteiligung des 1. FC 1893 Hanau mitgegründet) bei. Der 1.Weltkrieg 1914/18 brachte sehr erhebliche Rückschläge in das Vereinsleben. So kam der Turnbetrieb bei der Turngesellschaft fast gänzlich zum Erliegen. Beim Turnverein 1860 rief man hingegen in diesen Nachkriegsjahren 1919 eine Kinderturnabteilung, 1920 die Abteilungen Wandern und 1921 Handball ins Leben. Das Jahr 1922 hatte als Jahr der Wiedervereinigung der beiden rund vier Jahrzehnte zuvor auseinandergedrifteten Turnvereine sodann historische Bedeutung. Beim erstmals nach dem Kriege stattgefundenen Mitteilrein-Kreisfest in Aschaffenburg waren TV und Turngesellschaft gemeinsam Seite an Seite im Festzug vereint. Wenige Wochen später kam es zur „Verschmelzung“ am 20.August 1922 im Saal des Hotels „Zum Riesen“ am Heumarkt, wobei mit Stimmenmehrheit der Turner Ernst Schwarzkopf, von Beruf Eisenbahnschaffner, zum 1.Vorsitzenden gewählt wurde und dieses Ehrenamt bis 1943 innehaben sollte.

Fritz Staarfänger

Am Sandeldamm begannen die Widerfusionierten gemeinsam ein Vereinsheim zu errichten. 1924 warf dann wieder ein Schatten auf die Entwicklungsgeschichte der Sechziger. Turnen und Fußball beschlossen getrennte Wege zu gehen. Die Balltreter nabelten sich ab und nannten ihren Club fortan „Sport 1860 Hanau“. 1927 erschien die erste Vereinszeitung der nun seit fünf Jahren vereinten „Turn- und Sportvereinigung 1860 Hanau“. 1928 erfolgte der Zusammenschluss der Fußballer von „Sport 1860“ mit dem „Fußball-Club Viktoria 1894“ zur „Spielvereinigung 1860/94 Hanau“. Damit verbunden war die Übernahme des bereits 1904 an der Freigerichtstraße als eines der ältesten Spielfelder Deutschlands eingeweihten Sportplatzes, der bis 1960 zur sportlichen Heimstätte werden sollte. Im gleichen Jahr gründete sich erstmals eine Funktionsträgerschaft Turnausschuss von 14 Personen, deren Mitaufgabe es war, neben dem üblichen Sportbetrieb auch größere Veranstaltungen organisatorisch mitzugestalten. So im Jahre 1930, als sich in Hanau vom 31.Juli bis 4.August erneut die Turner des Regionalverbandes Mittelrhein zu ihrer 34. und letzten Auflage der seit 1860 erstmals in Offenbach turnusmäßig ausgerichteten Kreisturnfest-Veranstaltungen trafen.

1931 dann endlich ist es soweit: Am 1.Februar kann der Verein ein eigenes Heim - Am Sandeldamm 12 - beziehen. Die Kosten dieses Projektes wurden in der Hauptsache durch ein Bausparkapital von 20.000,- Goldmark erbracht. Die Sechziger sind inzwischen auf eine Mitgliederzahl von 600 angewachsen. Zwei Jahre später kann der Turnverein nun auch über einen Spielmannszug verfügen. Das Jahr 1934 bringt den Wiederanschluß der Fußballer der Spielvereinigung 1860/94 an den Turnverein 1860 Hanau. In den 30er Jahren trägt eine recht erfolgreiche Feldhandball-Mannschaft der Frauen das 60er-Trikot, die 1938 ins Endspiel um die Meisterschaft des Gaus Hessen vordringt und dabei gegen die Vertretung von Hessen-Preußen Kassel eine knappe Niederlage hinnehmen muss. 1939 schafft die Fußballelf den Aufstieg in die Gauliga Hessen, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Dieser Premier-Liga sollte der Verein angehören, bis die Wirren des Krieges den Verbandsspielbetrieb zum Erliegen brachten. In jener Gau-Ligamannschaft spielte ab 1942 auch der damals 17jährige Kurt Völler (Vater des 90fachen Nationalspielers und Fußball-Weltmeisters von 1990 - Rudi Völler). Eine Gründung einer Kegelabteilung wurde dann im Jahr 1940 vollzogen.

Im Kriegsjahr 1943 verstarb der legendäre Vereinsvorsitzende Ernst Schwarzkopf, und Fritz Staarfänger, Kartonagen-Fabrikant, trat mit kurzer Unterbrechung (1946/47) dessen Nachfolge bis zum Jahr 1965 an. Mit dem Zusammenbruch 1945 kam das Vereinsleben in diesem Jahr de facto gänzlich zum Stillstand, nachdem infolge mehrerer Bombentreffer das Vereinshaus am Sandeldamm in Schutt und Asche fiel. Doch ab 1946 war man wieder daran, den Sportbetrieb in Gang zu bringen. Die Fußballer, als ehemals Gauligisten, wurden der Hessischen Landesliga zugeteilt und spielten auf dem notdürftig hergerichteten Spielfeld an der Freigerichtstraße. Allerdings konnte die Hessenliga nur 1 Jahr gehalten werden. Im Nachkriegsjahr 1947 zählt 1860 Hanau nur noch knapp über 200 Seelen. Ein musisch beflissener Mann namens Heiner Winhold baute im Verein eine Musikgruppe auf, deren Leiter er viele Jahre blieb vom Jahr 1950 bis in die 70er Jahre hinein. Ein Gedenkstein an die gefallenen Mitglieder beider Weltkriege wurde 1952 eingeweiht und das wiederaufgebaute Vereinshaus am Sandeldamm konnte dann im September 1955 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Kegler können 1956 die Finalteilnahme bei den „Deutschen“ in Essen stolz vermelden.

Am 23. März 1957 wird die Satzung des Vereins neu gefasst, und die Sechziger firmieren von da an als „Turn- und Sportverein 1860 Hanau“. Im selben Jahr ist der Verein Mitausrichter der nach Hanau vergebenen „Deutschen Turnspiel Meisterschaften“. 1958 gründet der damals 17jährige Heinz Spachovsky mit einer Handvoll Aktiven aus der Turnabteilung heraus eine Leichtathletikabteilung, deren Geschicke er in ununterbrochener Folge über 28 Jahre leitete. Mit einem akademischen Festakt feiern die 60er ihr 100jähriges Bestehen seit der Wiedergründung in einem würdigen Rahmen, der ebenso große Beachtung in der Öffentlichkeit findet. 1961 dann finden sich Tischtennisspieler zur Gründung einer Abteilung zusammen. Alsbald setzt hier der Verbandsspielbetrieb ein.

1965 beginnt eine neue Ära: Sebastian Bache aus der Fußballabteilung übernimmt das Zepter von dem aus dem Turnerlager stammenden langjährigen 1.Vorsitzen den Fritz Staarfänger, dessen Ernennung zum Ehrenvorsitzenden erfolgt. 1966 gründet sich bei den Turnerinnen eine spezielle Gymnastikabteilung, die den modernen Entwicklungstendenzen insoweit Rechnung trägt. Auch im Frauenhandball gibt es bald wieder einen Spielbetrieb. Die Keglerin Hanni Laßmann wird ab 1967 mehrmals ins Nationalteam berufen. 1968 nimmt eine Serie von internationalen Jugendsportfesten unter Regie der wackeren Abteilung der Leichtathleten ihren Anfang mit teilnehmenden Mannschaften aus 5 Nationen. Mit einer Truppe von 12 Aktiven fahren die Leichtathleten nach Vaduz und treten dort gegen eine Auswahl des Fürstentums Liechtenstein mit achtbarem Abschneiden an. In den folgenden Jahren bis 1983 kommt es regelmäßig zu Treffen mit befreundeten Clubs in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Schweden. Die 60er-Leichtathleten können ein rundes Dutzend hessischer Meistertitel und weitere relevante Erfolge auf nationaler Ebene verbuchen.

1974 gründen sich die Volleyballer. Es entsteht alsbald ein Herren- und ein Damenteam. Vorübergehend formieren sich auch Basketballer und beteiligen sich für 3 Saisons an Punktspielen im lokalen Raum. Im gleichen Jahr bildet sich auch eine Abteilung, die Freizeitsport betreibt - vornehmlich hierbei das „Hobby-Kicken“ pflegt. 1983 wird Rudi Völler im Trikot des Bundesligisten SV Werder Bremen, der seit 1968 den Sechzigern als Heimatverein angehört, zum Torschützenkönig der Bundesliga und „Fußballer des Jahres in Deutschland“ gekürt. Die Frauen-Handballmannschaft gehört für 1 Jahr der Oberliga Hessen-Süd an. Die Gymnastikdamen werden erstmals Hessenpokalsieger in den Gruppenwettbewerben „Gymnastik und Tanz“ und die Leichtathleten begehen ihr 25jähriges Abteilungsjubiläum.

Vereinsheim Sandelmühle

Mitte der 80er Jahre reifen die Planungen zum Bau eines neuen Vereinsdomizils neben dem Sportgelände am Carl-Diem-Weg, draußen im Tümpelgartengebiet. So erfolgt im September 1985 dort der erste Spatenstich. Im Jahr des 125jährigen Bestehens zählt der Verein exakt 1025 Mitglieder, dessen Gründungszeugen Matthias Daßbach und Georg Reuling einst an jenem 9.November 1860 im Biergarten „Zur Weißen Taube“ waren. Diese Jubiläum wird im Bürgerhaus Wolfgang mit einem Festakt gewürdigt, was auch in der breiten Öffentlichkeit großen Anklang findet. Am 9.Mai 1986 konnte das neue Vereinsheim mit einem Kostenvolumen von etwa 1,7 Mio. DM schlüsselfertig in feierlichem Rahmen übergeben werden. Im Folgejahr sind weitere beträchtliche Aufwendungen zum Ausbau des Vereinshauses in sechsstelliger Höhe zu veranschlagen. 1987 steht im Zeichen von Landesmeisterschaften bei den Leichtathleten und den Volleyballerinnen sowie dem Pokalsieg der Gymnastikdamen in Berlin beim deutschen Turnfest. Ein hauseigener Biergarten am Vereinshaus kann im Mai 1988 seiner Bestimmung übergeben werden. 200 Gäste erleben den offiziellen Fassanstich von Oberbürgermeister Hans Martin. 1989 haben die Handballer in einer Freundschaftsbegegnung den rumänischen Europa-Cup-Gewinner von 1987 - HC Minaur Beia Mare - zu Gast, und die Leichtathleten schöpfen mit gar 7 Landesmeistertiteln noch einmal den Rahm ab.

In der 130.ordentlichen Mitgliederversammlung kommt es nach einem runden Vierteljahrhundert Amtszeit des verdienstvollen Vorsitzenden „Bastel“ Bache zu einer Wachablösung in der Führung des Vereins. Dieter Neidhardt wird als Nachfolger von Ernst Schwarzkopf (1922 - 1943), Fritz Staarfänger (1943 -1965) und Sebastian Bache am 20.April 1990 zum 1.Vorsitzenden der Sechziger gewählt. Ehrenvorsitzender seit April 1990 ist Sebastian Bache. Die Stadt Hanau ehrt im selben Jahr Rudolf Völler, den Fußballweltmeister von Rom, mit der Sportplakette in Gold und dem Eintrag ins Goldene Buch - die 60er als Heimatverein ernennen ihn am 24.September zum Ehrenmitglied. Das 10.Hessische Landesturnfest vom 27. bis 31.Mai 1993 bindet fast die Hälfte der Abteilungen des Vereins mit ein in die umfangreiche Organisationsarbeit rund um das Treffen von weit mehr als 10.000 Sportlerinnen und Sportlern in Hanau. Es werden erstmals über 1.100 Mitglieder (31.Dez. 1993 = 1.117) gezählt. 1994 feiern die Fußballer ihr 100jähriges Bestehen - sportlicher Rahmen dazu stellt ein Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl der Volksrepublik China dar. Die Sportkeglerin Renate Heck holt abermals den Hessentitel in der Einzelmeisterschaft. Fast 70.000,- DM Sachschaden entstehen dem Verein durch das Hochwasser im Untergeschoss des Hauses, welches nach den sintflutartigen Regengüssen dort am 18.Juli eindringt. Zudem war zu beklagen, dass die Flut in den Archivräumen eine große Anzahl wertvoller Dokumente und Schriften zur Vereinschronik zerstörte. Anlässlich der 135jährigen Gründung kann 1860 Hanau auf einen Höchstmitgliederstand von 1.140 verweisen. Die Wanderabteilung begeht dieses Jahr mit deren 75jährigem Jubiläum.

Nach mehr als 25 Jahren Tätigkeit im Hauptvorstand als Jugendleiter ernennt die Mitgliederversammlung Kurt Völler zum Ehrenvorstandsmitglied. Der Verein schafft von nun an als Symbol seines höchsten Insigniums die Ehrentafel, die im Vestibül des Vereinshauses installiert wird. 1996 sind die Handballer dran, ihren „75.Geburtstag“ zu begehen. Die jahrzehntelang (26 bzw. 21 Jahre) im geschäftsführenden resp. Hauptvorstand wirkenden Mitarbeiter Paul Roßkopf und Maria Wieland werden von nun an zu Ehrenvorstandsmitgliedern erhoben. Für die immer immenser werdenden „Tagesgeschäfte“ setzt der Verein mit Jahresbeginn im Büro eine Teilzeitkraft ein. 1997 kann der TSV 1860 auf 75 Jahre Jugendfußball zurückblicken. Unter der ehrenamtlichen Betreuung des Vereins laufen immerhin ein gutes Dutzend Schüler- und Jugendmannschaften über den grünen Rasen und die Spielfelder. Innerhalb des Deutschen Turnerbundes holen die Gymnastikfrauen den nationalen Titel im Gruppenwettbewerb „Gymnastik und Tanz“ und unterlegen ihre Abonnementsstellung durch die hessische Meisterschaft erneut auf Landesverbandsebene. Die Stadt Hanau im Zeichen von „400 Jahre Hanauer Neustadt“ veranstaltet neben den Festivitäten einen historisch ausgestalteten Umzug, an dem sich die Sechziger mit einer Fußgruppe und dem Motivwagen „TURNVEREIN DER CIGAR RENARBEITER“ dem Publikum präsentieren und damit die Identität ihrer Entstehungsgeschichte für jedermann nachvollziehen.

Die 90er Jahre mit ihrem gesellschaftlichen Umbruch machen aber auch dem Verein deutlich, dass es zu der schwindenden Bereitschaft engagierter Mitarbeiter zur ehrenamtlichen Vereinstätigkeit zu finden, immer schwieriger wird, das Vereinsschiff zu lenken. Denn die Spielräume von Seiten der Gönner, Sponsoren und insbesondere der öffentlichen Hände zeigen sich zu nehmend eingeschränkter, obwohl den Aktivitäten in den Vereinen weiterhin höchste ideelle Stellenwerte beigemessen werden zum Ausgang des Jahrhunderts. Dass der Verein eben auch eine Begegnung von Mensch zu Mensch ist, belegen auch bei den Sechzigern eine große Palette von geselligen Veranstaltungsterminen innerhalb von 10 Abteilungen und solche, die seitens des Hauptvereins geboten werden, vom alljährlichen Seniorentreffen, über 5-Tage-Tour, Biergartenfest bis hin zur Jubilaren- und Ehrenmatinee.

Norbert Engel
Bericht aus der "Stadtzeit" Geschichtsmagazin anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Revolution und Turnbewegung Hanau 1848 - 1998